FANDOM


Grassa3

Blick von Südosten auf Grassau und die Kendlmühlfilze

Kurzinformation Bearbeiten

Markt Grassau

Lkr. Traunstein, Bezirk Oberbayern

550 Meter über NN

6372 Einwohner

35,76 km² Fläche

Vorwahl 08641 PLZ 83224

Bürgermeister: Rudi Jantke (SPD)






















Grassa30

Blick auf die Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt im Zentrum Grassaus

Lage Bearbeiten

Die Marktgemeinde Grassau befindet sich am Eingang zum Achental. Der Ort liegt zwischen der Moorlandschaft der Kendlmühlfilze, die sich im Norden zum Chiemsee hin öffnet und dem südlich beginnenden Achental. Im Osten und Westen wird Grassau von den Bergen der nördlichen Chiemgauer Alpen begrenzt.



Ortsbeschreibung Bearbeiten

Grassau gehört zu den größeren Gemeinden im Chiemgau und ist der größte Ort im Achental. Ein wichtiger Wirtschaftsfaktor der Gemeinde ist der Tourismus. Die starkbefahrene Deutsche Alpenstraße führt durch Grassau und bildet die Hauptstraße der Marktgemeinde. Das Zentrum der großflächigen Gemeinde befindet sich am Marktplatz mit Pfarrkirche Maria Himmelfahrt und dem Rathaus.



Sehenswürdigkeiten Bearbeiten

Kirche-außen

Außenansicht der Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt in Grassau

Grassa4

Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt in Grassau

Grassa5

Blick ins Innere der Grassauer Pfarrkirche

Grassa6

Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt. Darstellung unter der Orgelempore wie die Grassauer den Himmel erobern

Grassa7

Ansicht der Deckenfresken in der Grassauer Pfarrkirche

Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt Bearbeiten

Die Hauptsehenswürdigkeit Grassaus ist die Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt. Der Turm der Kirche ist bis zum barocken Oberteil romanisch und entstand wohl um das Ende des 12. Jahrhunderts. Um diese Zeit entstand auch das urspünglich romanisches Langhaus, welches in der Gotik verändert wurde. Der Innenraum der Pfarrkirche ist eine interessante Mischung zwischen Barock und Spätgotik. Der Altarraum wirkt hell und ist aus dem Barock. Das Langhaus ist dunkler und trägt die Merkmale der Spätgotik. Wobei wiederum das Gewölbe des Langhauses mit Stuck verziert wurde (1706). Das Alter der Grundmauern der Grassauer Kirche geht bis in die frühe Romanik zurück. Eine zweite Bauperiode findet sich am Turm, der zum Teil - wie bereits erwähnt - aus dem 12. Jahrhundert stammt. Die Gotik brachte der Kirche einen dreiseitigen Chorabschluss (14. Jahrhundert) und einen umfangreichen Freskenzyklus an der Nord- und Ostwand, der jedoch schon bald wieder übertüncht wurde. Ende des 15. Jahrhunderts wurde das Langhaus dann spätgotisch verändert - eine Empore wurde eingebaut. Auch das Portal mit Marmorwappen stammt von 1491. Außerdem wurde 1476 von Pfarrer Peter Perkhauser die Katharinenkapelle im Seitenschiff angebaut (1511 geweiht) und zwei Kapellen an der Turmwand dem Bau hinzugeührt. 1511 wurde eine weitere Kapelle zu Ehren des Heiligen Leonhard und Erasmus gebaut. Im Barock wurde die Grassauer Kirche in drei Abschnitten barockisiert (1643-1707) und später im Sinne des Rokoko (1766) umgestaltet. Im Jahre 1639 arbeitete der Traunsteiner Stadtbaumeister Wolf König an der Grassauer Pfarrkirche. Zwischen 1672 und 1700 wurden drei Bruderschaften [Unbefleckte Empfängnis Mariä, 1672; Ewige Anbetung, 1678; Skapulierbruderschaft des Karmels, 1700] in Grassau gegründet. Im Jahre 1695/96 wurde die südliche Nebenkapelle (südliches Seitenschiff) neu gewölbt und mit den 15 Geheimnissen des Rosenkranzes ausgemalt. Pfarrer Winkler ließ in der Kapelle den Altar zu den Sieben Zufluchten errichten. In den folgenden Jahren wurde auch der Chor und das Langhaus barockisiert (1706/07). Im Rokoko wurde die Kirche unter Pfarrer Balthasar Winterholler 1766/67 umgestaltet. Die Turmhaube kam im Jahr 1734/35 (nach anderen Quellen von 1737) auf den Kirchturm, nachdem ein Gewitter (1727) die alte Haube zerstört hatte. Das Kirchenschiff hat die gewaltigen Maße von 16 Meter Länge, 14 Meter Breite und 7,5 Meter Höhe.

Der Stuck im Kircheninnern ist von einem unbekannten Meister um das Jahr 1706 angebracht worden. Interessant sind die barocken Fresken (ebenfalls 1706/07), die von Jacob Carnutsch aus Tirol stammen. Besonders auffallend ist das Bild unter der Westempore, das die Grassauer Bruderschaften (Unbefleckten Empfängnis - weißes Gewand / Ewigen Anbetung - rotes Gewand / Skapulierbruderschaft des Karmel - blaues Gewand) darstellt, die von der Pfarrkirche zur Lindenkapelle schreiten - Werner A. Widmann nennt die dargestellte Prozession "Eine fromme Wallfahrt von Philistern, bei deren Anblick man sich kaum des Lachens erwähren kann". Auf dem beschriebenen Fresko sieht man auch bekannte Personen des Dorfes (Pfarrer Winkler, die Pflegschaftsinhaberinnen Maria Juliana und Maria Magdalena Nothafft von Weißenstein mit Familie, Geschichtsschreiber Wäginger, Lehrer Fürpaß). Im nördlich Nebenschiff findet sich ein Bild, auf dem die Grassauer Bruderschaften den Himmel mit Glaubensgranaten und Gebetsbomben erobern wollen. Der Text besagt "So wird der Himmel in Grassau erobert". Im Mittelschiff der Kirche finden sich Fresken von 1766/67 von dem Künstler Johann Peter della Croce, der das Marienleben und die Eucharistie darstellt. Das Deckengemälde (1700) bezieht sich auf die Skapulierbruderschaft. Dargestellt ist der Heilige Simon Stock. An den Arkadenbögen befinden sich Darstellungen der vier Kirchenväter (Hieronymus, Gregor der Große, Ambrosius und Augustinus). Bei Restaurierungsarbeiten traten im 20. Jahrhundert verschiedene Fresken aus der Gotik (um 1425) zu Tage, die eine Bilderbibel darstellen - auch Heilige sind dargestellt. Möglicherweise gehen diese Fresken aus dem so genannte Weichen Stil auf den Münchener Maler Meister Ott zurück. Die Anbetung der Drei Könige (Nordostecke im Langhaus), das Abendmahl (Nordwand), die klugen und törichten Jungfrauen (Chorabschluss), Heiliger Andreas (Südwand im Chor), die Heilige Elisabeth (Mittelfenster im Chor), die Heilige Agnes (Südöstliches Fenster), ein Bischof (Rupertus ? oder Erasmus), der Heilige Leonhard, der Heilige Jakobus (Nordwand im Langhaus) ... sind dargestellt. Das Chorkruzifix und die Darstellungen von Maria und Johannes an den Wände stammen von 1706 und sind von Johann Schwaiger. Die beiden Wandleuchter an der Stufe zum Altarraum stellen folgende Worte im Bilde dar: "Vom Hahnenschrei und Sonnenaufgang, bis Mond und Sterne aufleuchten, will ich mit Engeln und Heiligen bei meiner Arbeit [Hufeisen] Christus, das Licht [Kerze] loben." Sie entstanden nach einer Arbeit des Grassauers Rupert Neuhauser 1688.  Der Hochaltar, der im Rokoko überarbeitet wurde, von 1640 (nach anderen Quellen von 1642 bzw. 1643) stammt von Caspar Amort (Altarblatt mit Mariä Himmelfahrt - Kopie eines Altarbildes im Dom zu München). Die Nebenfiguren von Matthias Schütz stellen den heiligen Johannes den Evangelisten (nach anderen Quellen: Johannes den Täufer) und den heiligen Josef mit Jesuskind dar. Der Taufstein hinter dem Hochaltar ist spätgotisch mit Barockdeckel. Eine Sakramentsnische ebenfalls hinter dem Altar ist auch spätgotisch (Ende des 15. Jahrhunderts). Die Seitenaltäre (linker: Heilige Anna Selbtritt / rechter: Maria mit Heiligen Augustin) stammen ebenfalls von 1640 und die Altarblätter wurden von Johann Peter della Croce gemalt und zeigen die Kirchenpatrone, ebenfalls von della Croce ist das Bild der Schmerzhaften Muttergottes gegenüber der Kanzel. Die Kanzel der Grassauer Kirche ist von 1654 (1655) mit vier Evangelistenstatuetten und Engelsdarstellungen von Melchior Hofmayr - wurde im Jahre 1766 aber verändert. Das Gestühl stammt vom Grassauer Schreiner Christoph Pichler aus dem Jahre 1786/92. Ebenfalls bemerkenswert sind die Zunftstangen in der Kirche, die aus dem 18. Jahrhundert stammen. In der Kapelle im südlichen Nebenschiff mit den 15 Geheimnissen des Rosenkranzes ist nur noch die Darstellung der Krönung Mariens (1942 freigelegt) erhalten geblieben. Der Bruderschaftsaltar in der Kapelle ist aus dem Jahre 1767 von Johann Peter della Croce mit dem Altarblatt "Ecce Homo". Der zweiten Altar von Tobias Lohner zu den Sieben Heiligen Zufluchten ist von 1680 (1696). Das Altarblatt stammt von Jacob Carnutsch. Die Ornamente sind von Matthias Piechlinger und das Pelikan-Motiv von Felix Pämer.

Rund um die Kirche Bearbeiten

Die Fresken der Totenkapelle und jetzigen Kriegergedächtniskapelle stammen ebenfalls von Jacob Carnutsch. Der kleine Raum, der von der Turmseite betreten werden kann wurde 1700 barockisiert. Die neun Allegorien zeigen das Sterben. Die Initialen MW erinnern an den Pfarrer Matthias Winkler, der die Kapelle ausgestalten ließ. Die Totenkapelle ist sehr interessant, weil man in ihr die barocke Darstellung des Todes und des Sterbens sieht. Seit 1948 ist die Totenkapelle auch Kriegergedächtniskapelle und erinnert an die rund 150 gefallenen Grassauer während der Weltkriege.

Die Grabsteine rund um die Grassauer Kirche erinnern an den Pfarrer Winkler (von Georg Andreas Dietrich, 1715), an die Pflegsverwaltersgattin Krämbl (1631) und an den Domherrn zu Eichstätt Johannes von Hirnsheim (1557). Ein so genannter Sühnestein von 1648 befindet sich nördlich der Kirche.

Zwischen Kirche und Verkehrsamt erinnert ein 1911 (1910) errichteter Brunnen mit Denkmal an König Ludwig II. von Bayern.




Kultur und Brauchtum Bearbeiten

Grassa27

Blick von der Hochreserve auf die ehemalige Pumpstation Klaushäusl, die heute Soleleitungs- und Moormuseum ist

Grassa28

Blick ins Soleleitungsmuseum Klaushäusl mit den hölzernen Soleleitungen im Vordergrund

Grassa31

Gemälde von Theodor von Hötzendorff im Klaushäusl

Leonhardiritt Bearbeiten

Eine lange Tradition hat die Leonhardswallfahrt von Grassau nach Weiher am letzten Sonntag im Oktober. Früher gab es stets einen Gottesdienst in der Kirche zu Mietenkam. Der Höhepunkt der Prozession ist der Pferdesegen an der Kapelle von Weiher auf dem Weg von Mietenkam nach Grassau. Ende der Prozession war immer in der Grassauer Pfarrkirche.

Märkte Bearbeiten

Am letzten Samstag im September findet in Grassau der traditionelle Michaelimarkt statt. Am letzten Sonntag im April ist Georgi-Markt.

Soleleitungs- und Moormuseum Klaushäusl Bearbeiten

Zwischen Grassau und dem Ortsteil Rottau befindet sich im Weiler Klaus das Soleleitungs- und Moormuseum Klaushäusl. Das Brunnhaus ist die am besten erhaltene Pumpstation der ehemaligen 2. Soleleitung von Bad Reichenhall nach Rosenheim. Von 1809 bis zum Jahre 1958 diente das Haus als Brunnenhaus. Die Soleleitung zwischen Bad Reichenhall und der Saline in Rosenheim war 79 Kilometer lang und gilt als erste Pipeline der Welt. Die Leitung beförderte ständig Sole und musste die Höhenunterschiede mit Solehebemaschinen überbrücken. Ein Brunnwärter musste Tag und Nacht die Soleleitung und die Pumpanlage kontrollieren und wenn nötig auch reparieren. Der Erfinder der Solehebemaschine war Georg von Reichenbach. Bis 1958 wurde die Soleleitung genutzt, dann ging der Sudbetrieb in der Saline von Rosenheim zu Ende und die Pumpstationen wurden an Privatleute verkauft. Auch die Soleleitung und die Solewege gerieten in Vergessenheit und sind heute nur noch in Teilen vorhanden. Seit ein paar Jahren versucht man wieder die Soleleitungen zu erhalten und hat einen Soleleitungsweg ausgeschildert, der auch am Klaushäusl vorbeiführt. 1995 wurde im Klaushäusl das Soleleitungs- und Moormuseum eröffnet. Bereits 1985 hatte sich die Gemeinde Grassau entschlossen das Industriedenkmal im Klaushäusl zu erwerben und zu erhalten. Zu der Anlage gehört das Maschinenhaus mit einer originalen Reichenbach'schen Solehebemaschine, die Niederreserve, in der heute der Großteil des Museums untergebracht sind, das Aufschlagwasserhäusl und die Hochreserve, von wo man einen Ausblick über die Kendlmühlfilze hat. 

Seit Sommer 2004 ist das Moormuseum in einem eigenen Gebäude am Klaushäusl untergebracht. Auf drei Etagen wird versucht, dem Besucher die Bedeutung der Chiemseemoore näher zu bringen. Die moderne Präsentation ist besonders auch für Familien mit Kindern geeignet. So können die Museumsbesucher etwa Mikroskopieren oder mittels Computer wissenswertes über die Lebenswelt Hochmoor erfahren. Überlebensgroße Modelle der tierischen Bewohner der Filze machen die reichhaltige Fauna deutlich. Die Schau zeigt auch Funde aus den Mooren, die auf eine alte vielleicht kultische Bedeutung der Filze hindeuten könnten. Auch die Zerstörung der Filze durch Torfabbau bis weit in die achtziger Jahre wird nicht verschwiegen. Abgerundet ist die Ausstellung mit der Präsentation von Werken des Grassauer Malers Theodor von Hötzendorff, die sich im Erdgeschoss und im dritten Stock befinden.




Geschichte Bearbeiten

Die weltliche Macht im Achental hatten die Herren auf Burg Marquartstein inne. Die geistlichen Herren saßen in Grassau. Der Grassauer Geistlichkeit unterstanden jahrhundertelang die Kirchen vom südlichen Chiemseeufer bis zum Klobenstein (etwa zwölf Filialkirchen). Erste urkundliche Erwähnung von Grazzowe ist im Jahre 923 [nach anderen Angaben 929]. Es wird vermutet, dass besonders der Grassauer Ortteil Kucheln schon sehr alt ist. Erste eindeutige urkundliche Erwähnung der Pfarrei Grassau ist aus dem Jahre 1155 erhalten. Es wird aber vermutet, dass bereits um das Jahr 740 (Karolingerzeit) eine Kirche in Grassau gestanden haben muss. Die Siedlungsanfänge von Grassau gehen bis auf das Jahr 500 vor Christi zurück. Im Jahr 1446 bekam der Ort im Achental von Herzog Heinrich der Reiche von Bayern-Landshut die gleichen Rechte wie Rosenheim verliehen. Wenige Jahre später 1482 wütete im Achental und in Grassau die Pest. Im Jahre 1558 wird eine Schule in Grassau erwähnt. Im spanischen und österreichischen Erbfolgekrieg zogen die Kroaten und die Panduren durch Grassau. Beim Brand des Pfarrhofes 1791 wurden viele Urkunden und große Teile des Archivs vernichtet. Zum 1000-jährigen Jubiläum (1929) der Gemeinde wurde 1933 ein Volksschauspiel mit 200 Mitwirkenden aufgeführt - der Titel lautete "Vor tausend Jahren in der Grassau". Die Regie führte Fritz Basil vom Staatstheater München und Kardinal Faulhaber war Schirmherr des Schauspiels. Nach den Weltkriegen und der Gebietsreform vergrößerte sich die Gemeinde sehr stark. Am 12. April 1965 bekam Grassau vom Bayerischen Innenminister die Bezeichnung "Markt" verliehen.

Der Name Grassau ("Grazzowe") kommt wohl von eine Aue mit Latschenkiefern (nicht von Großer Aue). Mit dem Wortbestandteil "graz" werden "junge Zweige von Nadelholz" gemeint - vermutlich Latschkiefern. Doch sind die Latschenkiefern von damals heute ausgedehnten Viehweiden gewichen.



Chronik Bearbeiten

In  Mietenkam wird der Dampfschifffahrtspionier Wolfgang Schmid am 9. November 1805 geboren. Eine Gedenktafel im Grassauer Rathaus erinnert an ihn.

Am 13. März 1887 wurde der Schriftsteller August Sieghardt geboren, der viele Jahre in Grassau lebte und wirkte.

In Marktdorf wird am 12. September 1898 der spätere Chiemgauer Kunstmaler Hötzendorff geboren, der lange Jahre in Grassau lebte und arbeitete. 

Der Trachtenverein "D'Hochplattner" wird am 16. März 1920 in der Marktgemeinde gegründet.

Die Zeitungen berichten am 12. Juni 1953, dass der "Hexenmeister der Welt" Ralf Bialla wieder im Chiemgau sei. Nach dem Krieg wohnte Bialla einige Zeit in Grassau und kehrte auch später immer wieder in den Chiemgau zurück.

Der Grassauer Ehrenbürger Franz Moritz stirbt im Alter von 86 Jahren am 18. März 1955. Moritz hatte sich im kommunalen und kulturellen Gemeindeleben besonders verdient gemacht. 

Am 24. November 1957 stimmen die Bürger der Grassauer Ortsteile Piesenhausen (mit 88 %), Niedernfels (mit 71 %) und Pettendorf (mit 56 %) für die Umgemeindung ihrer Orte nach Marquartstein

Der Gründer der Grassauer Körting-Werke, Oswald Ritter stirbt am 2. Oktober 1959 in München im Alter von 79 Jahren. Nach der Enteignung in der SBZ gründete Ritter seinen Betrieb auf Schloss Niedernfels neu. Nachdem er 1953 in Ruhestand getreten war schied Ritter 1955 ganz bei der Firma Körting-Radio-Werke Grassau aus.

Der Schriftsteller August Sieghardt stirbt im Alter von 74 Jahren am 20. Oktober 1961 in Grassau. Der Schriftsteller schreib auch zahlreiche Werke über den Chiemgau. Insgesamt veröffentlichte Sieghardt mehr als 40 Bücher.

Am 30. März 1974 stirbt Theodor von Hötzendorff in Grassau. Der Kunstmaler, der seit Ende der 1930-er Jahren in der Gemeinde lebte, arbeitete und wohnte im Weiler Hindling am Rande der Filze in einer alten Ziegelei. Hötzendorff malte sehr häufig die Moorlandschaft.

Am 7. Dezember 1980 beginnt der Niedergang der Gorenje-Körting-Werke in Grassau. Nach der Übernahme von Gorenje 1978 müssen zwei Jahre später 400 der 1400 Arbeitsplätze wegfallen. Drei Jahre später (1983) muss das gesamte Grassauer Werk schließen. Aus dem Radiowerk entsteht in den folgenden Jahre ein Gewerbepark.



Menschen Bearbeiten

Der Zimmermann Wolfgang Schmid wurde am 9. November 1805 im Ortsteil Kucheln geboren. Schmid gilt als Begründer der Dampfschifffahrt auf dem Chiemsee. Er baute das erste Dampfschiff und stach am 7. Juli 1843 mit diesem so genannten Bügelstahl ab Feldwies in den See. Der Pionier musste viel improvisieren: Manchmal musste sogar Salatöl statt Maschinenöl verwendet werden. Einmal soll der Zimmermeister sogar die Bänke für die Passagiere zum Verheizen gebraucht haben. 1845 übernahm der Kupferschmied Feßler die Chiemseeschifffahrt. Die Familie Feßler betreibt auch heute noch die Schifffahrt auf dem See.

Auf dem Grassauer Friedhof befindet sich das Grab von Willy Reichert. Der Schauspieler aus Schwaben lebte lange Zeit in Mietenkam und starb dort am 10. Dezember 1973.

Auch auf dem Friedhof der Marktgemeinde begraben ist der Schriftsteller August Sieghardt, der am 13. März 1887 in Nürnberg geboren wurde. Der Journalist widmete sich in seiner Arbeit besonders Franken, der Oberpfalz, dem Bayerischen Wald und dem Chiemgau. Sieghardt schrieb seinen bekannten Chiemgau-Führer 1949. Noch heute ist dieses Werk ein Standardwerk über den Chiemgau. Werner A. Widmann, dessen Onkel Sieghardt ist, hat den Chiemseeführer seines Verwandten überarbeitet und neu aufgelegt. August Sieghardt starb am 29. Oktober 1961 in Grassau.

Der Maler Theodor von Hötzendorff (1898-1974), der die Landschaft des Chiemgaus in zahlreichen Bildern verewigte, lebte lange Zeit (1939-1974) in Grassau. Einige seiner Bilder sind heute im Heimatmuseum in Prien und im Grassauer Rathaus zu sehen. Hötzendorff war Mitbegründer der jährlichen Kunstausstellungen in Prien nach dem 2. Weltkrieg. Bevor der Künstler nach Grassau zog wohnte Hötzendorff in den 30er Jahren meist in München und Ruhpolding. Theodor von Hötzendorff starb am 30. März 1974 im Alter von 76 Jahren. Einige Bilder des Malers sind im Soleleitungs- und Moormuseum im Klaushäusl ausgestellt.

Hötzendorff war übrigens der Schwiegersohn von Eduard Hauenstein. Hauenstein war Forstmeister in Siegsdorf, Ruhpolding und Grassau und 1897 der erste Ski-Läufer in Südostbayern. Er gehörte zu den Skipionieren des Chiemgaus und des deutschen Alpenraums.

Der Generalmusikdirektor Professor Wolfgang Sawallisch (geb. 1923 in München) lebte viele Jahre in Grassau. 



Zitat von ... Bearbeiten

... Friedrich Springorum aus dem Buch "Mit dem Auto wandern - Oberbayern":

"Der Hauptort des Tales jedoch war und ist Grassau, die 'große Aue', dessen Geschichte bis ins 10. Jahrhundert zurückreicht. An der Kreuzung der Achentalstraße mit einer von Siegsdorf nach Rosenheim führenden, das unwegsame Chiemseemoor meidenden Altstraße gelegen, wurde es durch Kirche und Markt zum Mittelpunkt des bäuerlichen Lebens und Handels ringsum. Das Innere der Kirche St. Mariä Himmelfahrt zeigt sich gleich Niederaschau als spätgotische Halle mit überhöhtem Mittelschiff, einem 1696 angefügten zweiten südlichen Seitenschiff und einer nicht so schweren und auch nicht durchgehend farbigen Stukkatur. Durch den kraftvollen Turm, das schöne Portal von 1491 und einige freigelegte kostbare Fresken ist sie noch eng der gotischen Formenwelt verbunden und gewinnt als teilweise barockisierter gotischer Raum einen doppelten Wert."



Nachgeschlagen im ... Bearbeiten

im ... Deutschen Handbuch für Fremdenverkehr Bayern von Hans Planitz (Schriftleitung) um 1951:

"Die Lage des Ortes, abseits vom großen Verkehr, die unbegrenzte Möglichkeit, in allen Höhenstufen sich frei und ungezwungen bewegen zu können, machen Grassau zu einem bevorzugten Aufenthalt für Erholungsuchende. [...] Lebenslustige gastfreundliche Menschen sorgen mit Musik, Gesang, heimatlichen Schuhplattlertänzen und kraftvoller Urwüchsigkeit für Unterhaltung."



Kontakt Bearbeiten

Verkehrsamt Grassau

Kirchplatz 3

83224 Grassau

Tel.: 08641-2340

info@grassau.de



Interessante Links Bearbeiten