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Blick in das Moorgebiet Kendlmühlfilze mit dem Westerbuchberg im Hintergrund

Kurzinformation Bearbeiten

Kendlmühlfilze
Gemeinde Grassau und Übersee
Lkr. Traunstein, Bezirk Oberbayern
550 Meter über NN
900 Hektar
Naturschutzgebiet seit 01.02.1992











Lage Bearbeiten

Das Naturschutzgebiet Kendlmühlfilze erstreckt sich von Grassau im Süden bis hin zum Westerbuchberg im Norden. Die Ost-West-Ausdehnung ist zwischen Mietenkam im Osten und Rottau im Westen. Heute steht das etwa 900 Hektar große Moorgebiet unter Naturschutz und ist ein beliebtes Wanderziel. Bei Rottau befindet sich ein kleiner Moorlehrpfad mit Informationstafeln.


Beschreibung Bearbeiten

Das bayerische Wort "Filze" bedeutet "Hochmoor". Die Kendlmühlfilze sind eines der bedeutendsten Hochmoore in Bayern und haben durchaus europäischen Rang. Befestigte Sparzierwege leiten der Wanderer durch das Naturschutzgebiet. Auf großen Tafeln wird der Besuchern des Moores auf die Verbote und Pflichten hingewiesen, an die er sich halten muss.


Wissenswertes Bearbeiten

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Torfstücke wie diese wurden bis in die 1980er Jahren in den Kendlmühlfilzen industriell abgebaut

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Blick in die Kendlmühlfilze

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Ausläufer des Moorgebietes mit Chiemgauer Alpen im Hintergrund

Die Chiemseemoore entstanden nach der Eiszeit vor 15.000 Jahren. Damals war der Chiemsee deutlich größer als heute. Er erstreckte sich von Truchtlaching bis nach Marquartstein. Durch die Tiroler Ache und das von ihr mitgebrachte Geröll verlandete der See immer mehr. Auf dem neuen Land bildeten sich zunächst Moose - so genannte Flachmoore - bis diese vor etwa 5.000 Jahren zu Hochmooren - so genannten Filze wurde. Die Entstehung von Hochmooren verdankt man der vielen Niederschläge und dem sauren, nassen und sauerstoffarmen Boden. Einer neuen Theorie zur Folge, sollen die Moore nicht durch die Verlandung, sondern durch Bleichmoose in regenreichen Wäldern entstanden sein, die allmählich die Wälder überwucherten. Ein Indiz für diese Theorie sind so genannte Waldhorizonte auf dem Grund der Moore. Das gesamte Chiemsee-Moorgebiet hatte eine Größe von 2500 Hektar. Es wird vermutet, dass sich in der Urnenfelderzeit oder zu Beginn der Hallsteinzeit Opferstellen in den Mooren befunden habe. Darauf lässt ein 1967 entdeckter 50 Meter langer Bohlenweg schließen, der östlich der Straße Irschen - Rottau und südlicher der Bahnlinie München - Salzburg befunden wurde. Die Römer hingegen umquerten den Chiemsee höchst wahrscheinlich nur im Norden und legten keine Straße durch das unwegsame und sumpfige Gebiet im Süden an.

Durch den Torfabbau wurden die Filze schwer geschädigt. Der Torf wurde als Brennmaterial und auch als Gartenerde verwendet. Bis in die 1980-er Jahre wurde großflächig in den Kendlmühlfilzen Torf abgebaut. Insgesamt wurde binnen 20 Jahren von einer Privatfirma insgesamt 4 Millionen Kubikmeter Torf abgebaut. Der "Fall Kendlmühlfilze" machte bundesweit Schlagzeilen, da der Staat die Abbaugenehmigung vergeben hatte, während der Antrag auf Naturschutz der Kendlmühlfilze als "größtes noch ungestörtes offenes Hochmoor in Südbayern" schon längst gestellt war. Nach dem Abbau des Moores war von ehedem 2.500 Hektar intaktem Moor nur noch 40 Hektar übrig. Im Oktober 1976 gründete sich eine Bürgerinitiative zur Rettung der Kendlmühlfilze. 1984 wurde in Grassau eine große Ausstellung über das Moor eröffnet, die informieren und den Abbau kritisieren sollte. Ebenfalls fand die "Erste Alpenländische Moorkonferenz" mit Fachleuten in Grassau statt. 1988 wurde dem Drängen der Naturschützern statt gegeben und der großflächige Torfabbau wurde im Januar eingestellt. Die Technische Universität München erarbeitete ein "Pflege- und Entwicklungsplan" für das Moor, der die Renaturierung organisierte. Erst 1992 wurde das Moorgebiet nach zähem Ringen unter Naturschutz gestellt. Die Kendlmühlfilze stellen mit 748 Hektar (unter Naturschutz) das größte geschlossene Hochmoorgebiet des Chiemgaus dar. Heute macht man sich Gedanken um die Renaturierung der Flächen. In den letzten Jahren ist das Gebiet der Kendlmühlfilze ein Teil des "LIFE - Projekts Südlicher Chiemgau" geworden, dass von der Europäischen Union gefördert wird und versuchen soll den Wasserhaushalt im Naturschutzgebiet wieder herzustellen, Flächen anzukaufen und in Zusammenarbeit mit den lokalen Institutionen und den Landwirten die Landschaft zu pflegen und zu renaturieren.

Ein schöner Weg durch das Moor ist der Ewigkeitsweg von Grassau aus. Auf ihm gelangt man mitten in das Filzgebiet hinein. Zum Teil entdeckt man noch Reste vom Torfabbau - etwa Entwässerungsgräben und Gleise der Torfbahn. Die Strafgefangenen der JVA Bernau, die Torf im Moor abbauen mussten nannten diesen Weg Ewigkeitsweg, weil er sehr lange geradeaus führt und die Entfernung ihnen besonders im heißen Sommer wie eine Ewigkeit vorgekommen sein muss.

Moorlehrpfad Bearbeiten

Der Moorlehrpfad bei Rottau erklärt dem Besucher auf 50 Tafeln in Wort und Bild die Entstehung der Moorlandschaft und ihre Pflanzen und Tiere. Die Kendlmühlfilze sind ein Biotop für seltene Pflanzen und Tiere. So finden sich hier zum Beispiel Kiebitze, Moorfrösche, Birk- und Auerhuhn, Wachtelkönig,  Kreuzotter, Perlmuttfalter und seltene Libellenarten, auch Wollgras, Sonnentau, Moosbeeren, Haarmützenmoos und Heidekraut wächst im Hochmoor. Sehr selten ist auch die Sibirische Schwertlilie, die sich nur an wenigen Stellen im Moor finden lässt.

Beim Besuch in den Kendlmühlfilzen soll der Wanderer auf jeden Fall auf den ausgewiesenen Wegen und Pfaden bleiben. Wegen der seltenen Natur sollte sich der Besucher nicht ruhestörend verhalten und keine Pflanzen abrupfen bzw. mitnehmen. Das Radfahren ist im Naturschutzgebiet verboten. Große Tafeln erinnern den Wanderer zu Beginn des Moores an Verbote und Regeln im Naturschutzgebiet. Unbedingt auf diese Tafeln achten !!! Der Landrat Jakob Strobl sagte hierzu: "Wir wollen die Menschen nicht ausschließen. Dennoch verträgt die Kendlmühlfilzen nur eine bestimmte Belastung."

Industriedenkmal Torfbahnhof Bearbeiten

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Der historische Torfbahnhof an der Strecke München - Salzburg steht heute als Industriedenkmal unter Denkmalschutz

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Der Torfbahnhof wird von einem Verein gepflegt und ist zu einem Museum geworden

Im Industriedenkmal Torfbahnhof, von wo der abgebaute Torf mit dem Zug direkt abtransportiert wurde, befindet sich heute eine Ausstellung über das Moor und den Abbau. Der "Museumsverein Torfbahnhf Rottau e.V." hat den Torfbahnhof in vielen Stunden ehrenamtlicher Arbeit liebevoll wiederhergestellt und eine Ausstellung aufgebaut.(Bayerisches Moor-und Torfmuseum Rottau) Der Bahnhof wurde 1920 errichtet und liegt sehr verkehrsgünstig an der Bahnlinie München - Salzburg. Durch das Moorgesetz, das in Bayern nach dem 1. Weltkrieg den Abbau von Torf regelte, wurde auch in den Kendlmühlfilzen damit begonnen, Torf als Brennmaterial abzubauen. Die Direktion der Bayerischen Staatseisenbahnen erarbeitete am 10.Juli 1920 einen Kostenvoranschlag für eine Torfverladestation an der Strecke zwischen Bernau und Übersee. Die Kosten beliefen sich auf 1,25 Millionen Mark (607 000 Mark für Gleisanlage). Eine Feldbahnanlage auf einer Spurbreite von 900 Millimetern war geplant. Das Projekt bei Bahnkilometer 33,9 wurde schließlich auch verwirklicht und die Torfverladestation ging im Dezember 1920 in Betrieb. Lange Zeit mussten die Strafgefangenen der JVA Bernau das Moor abbauen, bis 1976 der Staat einige Felder an einen Unternehmer aus Niederbayern verpachtete. Dieses Unternehmen ließ den Torf mit großen Fräsmaschinen abbauen. Im Torfbahnhof wurde der Torf in Plastiksäcke verpackt und später als Gartenerde verkauft. Im Juni 1988 siegten die Naturschützer nach langem Ringen und der Abbau wurde eingestellt.

Der Torfbahnhof steht unter Denkmalschutz. Das Industriedenkmal mit seiner erhaltenen 300 Meter langen Feldbahnstrecke ist heute einzigartig in ganz Europa. Besonders stolz ist man im Torfbahnhof auch über die einzige in Europa vollständig erhalten gebliebene Torfpresse. Außerdem befinden sich heute im Museum weitere Arbeitsgeräte und Maschinen, die zum Torfabbau benutzt wurden.

Das Museum ist von April bis November jeweils Samstagsnachmittags (ab Mitte Juli auch Mi/So) geöffnet und wird von dem Museumsverein Torfbahnhof Rottau e.V. betreut. Mehr unter www.torfbahnhof-rottau.de

Moormuseum Klaushäusl Bearbeiten

In der ehemaligen Pumpstation Klaushäusl zwischen Rottau und Grassau befindet sich ebenfalls eine Ausstellung über das Moor, die im Sommer 2004 nach grundlegender Überarbeitung wiedereröffnet wurde.


Interessante Links Bearbeiten