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Kurzinformation Bearbeiten

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Blick auf Marquartstein von Osten

Marquartstein

Lkr. Traunstein, Bezirk Oberbayern

545 Meter über NN

3136 Einwohner

13,41 km² Fläche

Vorwahl 08641 PLZ 83250

Bürgermeister: Andreas Scheck (BfM)



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Blick von der Burg ins Achental












Lage Bearbeiten

Der Ort Marquartstein liegt zwischen Grassau und der Unterwössen im Achental. Vor allem in den letzten Jahren hat sich die Gemeinde im Achental stark ausgedehnt und wurde so zu einer zweiten "Metropole im Achental" - neben Grassau . Der Ort wird durch Berge auch zwei Seiten eingerahmt, auf einer Seite öffnet sich das Achental in Richtung Norden zum Chiemsee hin und auf der Südseite begrenzt den Ort ein Moorgebiet und ein kleiner Hügel mit dem Weiler Vogelug darunter.



Ortsbeschreibung Bearbeiten

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Dorfstraße in Alt-Marquartstein mit Blick auf die Pfarrkirche im Hintergrund

Marquartstein wird durch die Ache in zwei Teile geteilt. Auf der einen Seite der Ache liegt das sogenannte "Alt-Marquartstein" mit der Burg und den größeren Häusern und Villen am Waldrand. Auf dieser Seite der Tiroler Achen, die unterhalb des Hochgerns gelegen ist, lebte auch Richard Strauss. Auf der anderen Seite des Flusses steht die neuere katholische Pfarrkirche und die Bundesstraße 305 durchquert diesen Teil des Ortes. Auf der linken Achenseite befinden sich auch die meisten Geschäfte und das neue Ortszentrum. Am Stauwehr vor Marquartstein werden im Spätherbst bis zu "dreißigpfündige" Seeforellen gefangen.

Die Burg dominiert den gesamten Ort und ist von weitem sichtbar, mit den Villen am Waldrand und der Burgkapelle zusammen bildet sie ein sehenswertes Ensemble.

Sehenswürdigkeiten Bearbeiten

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Die Burg Marquartstein

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Eingang zur Burg Marquartstein

Burg Bearbeiten

Marquartstein wird heute von der mächtigen Burg dominiert, die auf einem ins Achental ragenden Felsen liegt. Graf Marquart II. (auch als Marchwart II. erwähnt) ließ 1072 (nach anderen Angaben 1075 bzw. 1070) hier eine erste Burg erbauen. Ab 1802 verfiel die Burg mehr und mehr und wurde 1822 sogar als Steinbruch zum Bau des Forstamtes verwendet. 1857 kaufte die englischen Schriftstellerin Jemina von Tautphoeus, geborene Montgomery, die dem alten Gemäuer auch in ihren Werken ein Denkmal setzte, die Burg. Die Burg nannte sie in ihrem Werk "The Initials" Hohenfels. Mit ihrem Mann (Freiherr Cajetan von Tautphoeus) baute sie die Ruine wieder zu einer Burg auf. Die Burg wurde an die italienische Gräfin von Pecori-Giraldi vererbt, die sie 1928 vermietete. Ab 1928 wechselte oft der Verwendungszweck der Burg, so war das Gemäuer auch eine Zeit lang Landschulheim (1928-58), bzw. Weinstube und Café. DDem Freiherren von Claparede ist der Erhalt der Anlage zu verdanken, da dieser die Burg in mühevoller Kleinarbeit restaurierte. Die Gebäude gruppieren sich um einen Burghof mit Rundbogenarkaden und alten Burgbrunnen. Auf der Westseite steht der Hauptbau, südlich der Wirtschaftstrakt und auf der Ostseite grenzt der alte Zehntkasten auf trapezförmigem Grundriss an. Die Mauern des ehemaligen Getreidekastens (Zehntkasten, Troadkasten) sind 3½ Meter dick. Die Stallungen im ehemaligen Nordtrakt wurden abgerissen, an ihrer Stelle wird der Burghof von einer Mauer begrenzt. Im Hauptbau befindet sich der ehemalige Rittersaal, der 1948 zum Speisesaal umgebaut wurde. Zur Ausstattung ist noch zu sagen, dass noch zahlreiche kunsthistorisch wertvolle Objekte existieren, wie etwa große Kachelöfen, Barock- und Renaissanceschränke und ein marmorner Kamin. Oberhalb des Einganges am gewölbten Torbau erkennt man das Wappen der Tautphoeus und Montgomerys. Leider kann man die Burg nicht besichtigen und deshalb nur das äußere Erscheinungsbild sehen, weil sie sich in Privatbesitz befindet.

Burgkapelle St. Vitus Bearbeiten

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Burgkapelle St. Vitus in Marquartstein

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Blick ins Innere der Burgkapelle

Neben der Burg liegt die Burgkapelle St. Vitus, die nach einem Brand am 13. Februar 1843 zwei Jahre später neu errichtet wurde. Damals brannte die Kapelle aus dem 12. Jahrhundert und das angrenzende Mesnerhaus bis auf ihre Grundmauern nieder. Am 11. August 1849 wurde die neue Kapelle von Erzbischof Carl August geweiht. Das Hochaltarbild ist ein Geschenk des Kardinals und Erzbischofs Schwarzenberg-Salzburg, der auf einer seiner Reisen die Ruine der Burgkapelle sah und durch das Geschenk sein Mitleid bekundete. Es zeigt Maria mit dem Jesuskind mit zwei Heiligen. Heute beherbergt die Burgkapelle gute Altarblätter in den klassizistischen Seitenaltären. Sie stellen wieder Maria mit Kind, sowie den Heiligen Nepomuk im rechten Seitenaltar, und Maria mit Hl. Simeon und Christuskind im linken Seitenaltar dar. Die Deckengemälde der Burgkapelle zeigen die Burg Marquartstein.


Pfarrkirche Heiligblut Bearbeiten

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Die Marquartsteiner Pfarrkirche

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Innenansicht der Marquartsteiner Pfarrkirche Heilig Blut

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Das Glaubensbekenntnis in der Innenausmalung der Marquartsteiner Pfarrkirche

Ein besonderes Baudenkmal ist die Pfarrkirche Heiligblut im Teil jenseits der Ache. Durch eine Stiftung von Kardinal Michael von Faulhaber wurde der Bau der Pfarrkirche finanziert. Eine neue Kirche wurde wegen den vielen Gottesdienstbesuchern - besonders in den Ferienzeiten - notwendig, da die Burgkapelle nicht allen Gläubigen Platz bieten konnte. Am 9. August 1936 konnte die neue Kirche nach kurzer Bauzeit (von Kardinal Faulhaber) geweiht werden und Marquartstein wurde ein Jahr später eigenständige Pfarrei - bis 1936 wurde der Ort als Filiale von der Großpfarrei Grassau mitbetreut. Um die Verstorbenen aus Marquartstein nicht weiterhin auf dem Grassauerer Friedhof begraben zu müssen, legte man um die neue Kirche einen eigenen Friedhof an, der schon bald nicht mehr "das Bild einer Neuanlage" machte. Um einen Zugang von der Loitshauser Straße zu ermöglichen, wurde die Pfarrkirche Heiligblut nicht geostet (eine große Seltenheit im Kirchenbau). Die Pfarrkirche (36 m * 22 m * 50 m) wurde nach Planung vom Münchener Architekten Georg Berlinger, der auch in Oberwössen, Rottau und Wildenwart tätig war, gebaut. Ein Großteil der Kirchenausstattung wurde aus Lärchenholz, das in den heimischen Wäldern anzutreffen ist, gefertigt. Die quer durchlaufenden frei tragenden Deckenbalken sind charakteristisch für den alpenländischen Hausbau. Auf ihnen lesen wir die lateinische Inschrift "Redemisti nos domine in sanguine tuo ex omni tribu et natione; et fecisti nos domine deo nostro regnum. Misericordias domini in aeterum cantabo; in generationem annuntiabo veritatem tuam." Übersetz lautet die Inschrift: "Herr, du hast uns mit deinem Blute erkauft aus allen Stämmen und Nationen und hast uns zum Königreich gemacht für unsern Gott. Ewig will ich die Barmherzigkeit Gottes besingen, deine Wahrheit von Geschlecht zu Geschlecht verkünden." Auch auf der Rückseite der Deckenbalken wurde eine Inschrift geschrieben: "Der Geist, das Wasser und das Blut, und diese drei sind eins" . Der Kunstmaler Werner Schön aus Piesenhausen stellt das Glaubensbekenntnis in Bildern auf die Kirchenwand bildlich dar. An der linken Wand sieht man den Auftraggeber Pfarrer Sedlmaier und den Künstler Werner Schön, die demütig knien. Die beiden Seitenaltäre sind der Bruder-Konrad-Altar und der Marienaltar. Am Hochaltar sind neben dem Kreuz mit dem sterbenden Heiland Maria und Johannes zu sehen. Die Reliefstreifen stellen vier Passionsszenen dar. Der Altar wurde von Franz Lorch entworfen und war ursprünglich nicht bemalt, jedoch musste für die Konservierung der Altars das Werk mit einer Fassmalerei überzogen werden. Am Südportal der Kirche steht eine Statue des Siegsdorfer Künstlers Wagner von 1959, die den Heiligen Antonius zeigt.


Burgstraße 16 Bearbeiten

Ein besonders schönes Bauernanwesen in Marquartstein ist das Haus der Burgstraße 16, es wurde vermutlich 1643 erbaut, was die Jahreszahl über der Tür ausdrückt. Das Anwesen besitzt reiche Renaissancefresken und ist in seinem Erscheinungsbild noch sehr gut erhalten. Neben dem Gebäude steht ein Getreidekasten (mit zwei Räumen), der wohl aus dem Jahre 1714 stammt.


Geschichte Bearbeiten

Die Geschichte von Marquartstein ist aufs engste mit der Geschichte der Burg verbunden.

Der Name Marquartstein entstand wie folgt: Zwischen 1125 und 1147 lautet der Burgname nach einer Salzburger Urkunde "Marcwartisteinna", im Jahr 1740 wird der Name mit "Marcwardisstein" beurkundet. In einer Urkunde des 12. Jahrhunderts kann man auf Latein lesen, dass eine Person wie folgt beschrieben wird "Graf Marcohard, von der Burg, die nach dem Besitzer Marcarstein genannt ist." Unsere heutige Schreibung von Marquartstein tritt das erste Mal 1604 auf. Das Dörfchen unterhalb der Burg wurde Loitshausen oder Luiteshusen genannt. Dort wohnten die Burgleute. Schon früh war Marquartstein ein Fremdenverkehrsort, so schreibt Michael Wening 1701 in seinen churbayerischen Landesbeschreibungen: "Sonst ist hiesiger Ort gut und gesunden Luft; weil gebirgig, gibt es wenig Unterthanen, die das bedürftige Getreide schaffen kundten. So verlegen sich die meisten auf den Vieh- und Roßzügel. Die im Gebirg suchen ihr Auskommen mit den Samm-Rossen (Saumpferden), die in der Ebene aber mit Wagen-Gefährt. An Wild gibt es Hirschen, Reh und Federwildbret. Der Achenfluß führt zu gewisser Zeit Laxferchen, welche zur Laichzeit in diesem Wasser aus dem Chiemsee kommen; item Huchen, Rutten, Alten und dergleichen. "

Marquartstein bekam erst 1864-85 einen Aufschwung, als die Eisenbahn gebaut wurde. Erst am 1. April 1938 wurde die Gemeinde unabhängig und Teile der Gemeindegebiete von Grassau, Unterwössen und Schleching kamen zur Gemeinde Marquartstein. Vorher hießen die Häuser, die sich unterhalb der Burg angesiedelt hatten einfach nur Loitshausen. Damit ist Marquartstein eine der jüngsten Gemeinden im Landkreis Traunstein. Eine interessante Tatsache ist, dass im 2. Weltkrieg die letzten Gefechte in der Gegend um Marquartstein stattfanden und es sogar noch am 7. Mai 1945, einen Tag vor der Unterzeichnung der Kapitulationsurkunde, Angriffe gab, die an der Altweger Wand und im Weiler Schlecht (östlich des Dorfkerns) Opfer forderten. Am Abend des 6. (bzw. 4.) Mai wurde Pettendorf und die Marquartsteiner Kirche geschossen. Zum Gedenken an diesen Beschuss wird jedes Jahr im Mai eine Gedenkwallfahrt zur Burgkirche St. Veit abgehalten.

Exkurs: Die Besitzer der Burg Marquartstein Bearbeiten

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Wappen über dem Eingang zur Burg Marquartstein

Im Jahre 1075 wurde die Burg von Graf Marquart II. (Marchwardt II.) erbaut. Er gehörte zu dem alten Adelsgeschlecht der Sighardinger, die im 8. Jahrhundert vom Rhein und Main in den Chiemgau kamen. Der Vater des Grafen hatte bei Staudach-Egerndach bereits eine Burg gegründet und damit die Linie der Hohenstein-Egerndacher begonnen.

Man erzählt sich von Marquart II. viele Legenden, zum Beispiel habe er mit dem Herren des Nachbargebietes, eines CUuno von Mögling-Frontenhausen, einen jahrelangen Streit gehabt, bis er dessen Tochter eine Adelheid heimlich, durch einen zufällig vorbeikommenden Geistlichen, heiratete (1094). Der Vater fühlte sich wohl hintergangen und hatte einiges an Marquarts Lebensweise auszusetzen. So war Marquart als "Don Juan" des Chiemgaus bekannt und hatte auch ein Verhältnis mit einer Edelfrau. Diese wollte sich später an ihm rächen, stellte dem Grafen eine Falle und verwundete ihn tödlich. Diese Bluttat soll sich an der Stelle, an welcher heute die Schnappenkapelle steht, zugetragen haben. Auf dem Sterbebett vererbte er Adelheid alle Güter und ließ sie geloben, ein Kloster auf Baumburg zu errichten - eine erste Gründung durch den Großvater Sighardt IV. schlug bereits fehl. Die Erbin Adelheid heiratete bald nach Marquarts Tod den Grafen Ulrich von Pütten, der auf einem Ritterturnier am 20. Februar 1099 tödlich verunglückte. Im Damenstift Obermünster in Regensburg lernte Adelheid ihren dritten Mann kennen, den Grafen Berengar II. von Sulzbach. Durch dessen Reichtum stiftete die Schwiegermutter Irmengard von Mögling das Kloster Berchtesgaden. Kurz vor Adelheids Tod gab sie das Gelöbnis ihres ersten Mannes Marquarts II. weiter, das Kloster Baumburg zu stiften, so geschah es dann auch. In den Deckengemälden des Klosters sieht man heute noch die drei Ehemänner der Adelheid von Mögling und ihr Grabstein ist besonders hervorzuheben, die sie das Modell des Kloster in der Hand hält. Nach dem Tod von Adelheid kam die Burg Marquartstein in den Besitz der Tochter Utta. Ihr Mann Engelbert II. wurde 1110 zum Markgraf von Istrien und erhielt auch das Teilherzogtum Kärnten. Nachdem er 1133 seinem Sohn Engelbert III. sein Besitz vermacht hatte, ging er ins Kloster Seeon, wo er am 22. April 1142 starb. Engelbert III. heiratete die Gräfin Mechtild. Mit der Hochzeit wurde Engelbert III. Schwager des oströmischen Kaiser Manuel I. und des weströmischen Kaisers Konrads III. Da die Ehe kinderlos blieb erbte der Neffe Rapoto II. die Burg Marquartstein. Rapoto II. erhielt 1208 die bayerische Pfalzgrafenwürde. Nach seinem Tod am 19. März 1231 erbte sein Sohn Rapoto III., der mit Adelheid von Hohenzollern verheiratet war. Die Tochter Elisabeth heiratete 1256 den reichen Grafen Hermann Wart von Wertenberg, der wenig später (1259) die Herrschaft und die Burg Marquartstein an den Herzog Heinrich XIII. von Wittelsbach-Landshut für 11 000 Silbergulden verkaufte. Das Achental wurde so ein herzogliches Pflegegericht, das bis zum Landshuter Erbfolgerkrieg zu den niederbayerischen Wittelsbachern gehörte. Im Jahre 1802 (27.9.) kam das Gericht Marquartstein zum Landgericht Traunstein hinzu und Marquartstein verlor damit an Bedeutung.

Chronik Bearbeiten

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Das Landschulheim Marquartstein vom Schnappenberg

Am 2. August 1871 wird die Marquartsteiner Freiwillige Feuerwehr das erste Mal erwähnt.

Am 10. August 1885 wird die Lokalbahn Übersee - Marquartstein feierlich eröffnet.

Mit einem Antrag für die Bildung einer selbstständigen Gemeinde, der am 28. März 1891 beim Bezirksamt in Traunstein eingereicht wird, nehmen die Bemühungen zur Bildung von Marquartstein konkrete Formen an. Da von Unterwössen, Grassau und Schleching nur die letztere Gemeinde dem Antrag zustimmt, muss das Vorhaben zunächst auf Eis gelegt werden. Erst nach dem Ersten Weltkrieg wird ein neuerlicher Versuch unternommen eine eigenständige Gemeinde zu gründen.

Das Marquartsteiner Bauerntheater wird am 22. April 1909 unter Vorsitz von Anton Müller-Wischin gegründet.

Im Frühjahr 1912 richtet ein Hochwasser an der Tiroler Achen großen Schaden an.

Ein schwerer Hagelschauer richtet in Marquartstein am 8. Juli 1919 Schäden an. Die Hagelkörner haben ein Gewicht von bis zu einem halben Pfund.

Am 8. September 1919 wird erneut ein Antrag zur Bildung einer selbstständigen Gemeinde Marquartstein gestellt. Dieser Antrag scheitert jedoch mit dem Urteil des Verwaltungsgerichtshofes, das kein öffentliches Interesse an einer eigenständigen Gemeinde sieht.

Am 6. November 1919 wird Christoph Probst geboren, der später in Marquartstein zur Schule geht. Probst ist Mitglieder der Weißen Rose, die gegen die Nationalsozialisten Widerstand leistet.

Am 11. April 1920 wird in Marquartstein ein Verein zur Erhaltung der Gebirgstrachten gegründet.

Das Landschulheim in Marquartstein wird am 13. Oktober 1928 gegründet.

Am 22. Juli 1930 wird das Eisenbahner-Erholungsheim gegründet.

Unter Leitung von Grassauerer Architekten wird am 20. Mai 1935 mit dem Bau der neuen Marquartsteiner Kirche begonnen. Die Grundsteinlegung findet am 11. August des Jahres statt. Am 9. August 1936 wird die Kirche geweiht.

Am 1. April 1938 werden die Ortschaften Loitshausen, Marquartstein und Wuhrbichl zur Gemeinde Marquartstein zusammengelegt. Der erste Marquartsteiner Bürgermeister ist Freiherr Dr. Karl Rüdiger von Ribaupierre.

Am 22. Februar 1943 wird der ehemalige Schüler des Landschulheims Marquartstein Christoph Probst hingerichtet. Er war Mitglieder der Weißen Rose, einer studentischen Widerstandsgruppe, die sich in München gegen die Nazi-Herrschaft stellte.

Unter nie ganz geklärten Umständen wird Dr. Rüdiger Freiherr von Ribaupierre am 6. Mai 1945 in Marquartstein von einem amerikanischen Wachposten erschossen.

Die erste Bürgermeisterwahl nach dem 2. Weltkrieg, die am 27. Januar 1946 stattfand muss am 15. Dezember 1946 nach erfolgreichem Einspruch der SPD wiederholt werden. Der Erste Bürgermeister wird Franz Bichler.

Am 24. Juli 1949 stirbt der Maler Müller-Wischin, der 42 Jahre lang in Marquartstein lebte, im Alter von 83 Jahren.

Zu seinem 70. Geburtstag, am 30. Januar 1951 wird der Urmacher Paul Riederinger zum Ehrenbürger der Gemeinde Marquartstein ernannt. Riederinger, der am 11. April 1952 stirbt, kämpfte von 1919 bis 1937 für das Entstehen einer Gemeinde Marquartstein.

Die evangelische Erlöserkirche wird am 28. September 1958 von Oberkirchenrat Schabert geweiht.

Der Neubau des Landschulheimes Marquartstein wird am 19. Oktober 1958 feierlich eingeweiht.

Am 15. Oktober 1959 stirbt der Gründer des Chiemgau-Alpenverbandes für Brauchtum und Sitte Mathias Schrobenhauser aus Marquartstein im Alter von 70 Jahren.

Der Landschaftsmaler Edmund Schaefer-Osterhold stirbt am 24. November 1959 in Marquartstein-Agg. Er gehörte zu dem Künstlerkreis um Paula Modersohn-Becker in Worpswede.

Die bekannte Kammersängerin Julie Rahm-Rennebaum wird am 9. März 1963 in Marquartstein beerdigt. Ihr Mann war der Schwager des ehemaligen Direktors des Marquartsteiner Landschulheims Harleß. Die Familie Rahm-Rennebaum hat in Marquartstein ihre zweite Heimat gefunden.

Am 26. Mai 1968 verkehrt der letzte Triebwagen auf der Strecke zwischen Übersee und Marquartstein.

Der GTEV Marquartstein und der GTEV Piesenhausen fusionieren. Es entsteht am 10. November 1968 der GTEV Marquartstein - Piesenhausen.

Am 27. März 1992 geht mit der Fahrt des letzten Zuges auf der Strecke von Übersee nach Marquartstein endgültig eine Ära zu Ende. Im November 2000 wurde schließlich das ehemalige Bahnhofsgebäude von Marquartstein abgerissen.


Menschen Bearbeiten

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Erinnerungstafel in der Burgkapelle an Richard Strauß

Der berühmte Komponist Richard Strauss lebte regelmäßig in den Sommermonaten in Marquartstein. In der Burgkapelle heiratete er auch am 10. September 1894 seine Geliebte, die Tochter des Generalmajors Adolph de Ahna, seine Schülerin Pauline de Ahna. Sein Haus (eigentlich das Haus seines Schwiegervaters) steht im Burgweg 6, es ist die Villa "de Ahna", die er nach seiner Frau benannte. Zwischen 1894 und 1908 verbrachte Strauss fast jeden Sommer in Marquartstein, wo er auch zahlreiche Stücke ("Don Quixote" 1897, "Ein Heldenleben" 1898) komponierte und an den Opern "Feuersnot"(1900), "Elektra"(1908) und "Salome"(1905) arbeitete. Auch am Stammtisch im Marquartsteiner Wirtshaus war Strauss ein beschäftigter Mann, der dort häufig beim Skatspielen saß. Strauss war befreundet mit dem Marquartsteiner Sattlerlehrling Dominkus Mittermayer, der ihm die Chiemgauer Bergwelt näher brachte. Zusammen sollen sie fast alle Gipfel des Chiemgaus bestiegen haben. Mittermayer hielt jedoch nicht sehr viel von den Straussschen Werken und wollte ihn mit heimischen Melodien und Tänzen vertraut machen, da es Strauss dann sicher leichter falle, das Komponieren zu lernen. Auch mit Julius Exter und Anton Müller-Wischin erkundete Strauss die Bergwelt und war mit ihnen gut befreundet. In einem Brief bezeichnete Strauss Marquartstein als ein "für erholungsbedürftige Musiker wie geschaffenen Ort". Leider ist das Haus, in dem Strauss seine Sommer verbrachte, im Privatbesitz und kann nicht besichtigt werden.

In den 50-er Jahren zog die berühmte Märchenerzählerin Elsa Sophia von Kamphoevener (1878-1963) nach Marquartstein. Die Dame hatte ihre Jugend angeblich in Konstantinopel verbracht, wo ihr Vater militärischer Berater am Sultanshof war. In ihren Marquartsteiner Jahren arbeitete Elsa Sophia von Kamphoevener als Märchenerzählerin für den Rundfunk und schrieb ihre Geschichten nieder. 1963 starb die Erzählerin im Alter von 85 Jahren in Marquartstein. Die Märchensammlung mit dem Namen "An den Nachtfeuern der Karawanserail" erschien 1956/57. Alle ihre Märchen trug Kamphoevener in freier Rede vor, ohne sich an einen Text zu halten.

Kultur und Brauchtum Bearbeiten

Der Marquartsteiner Trachtenverein ist weit über dem Chiemgau hinaus bekannt. So reiste der Trachtenverein im Auftrag des Goethe-Institutes als Sendboten der bayerisch-alpenländischen Kultur auf verschiedene Kontinente. Der Verein trat etwa schon im Lido in Paris, im Colosseum in London oder im Empire-State-Building in New York auf.


Zitat von ... Bearbeiten

... ... dem Herausgeber des Deutschen Handbuches für Fremdenverkehr Herrn Hans Planitz:

"Marquartstein, der Sommer- und Winterkurort in den Chiemgauer Alpen an der Tiroler Ache, ist von dem Wunder der Natur so glücklich bedacht, dass man hier von einem der schönsten Orte des bayerischen Oberlandes sprechen kann. Bis an die Ortsgrenze sind die Wälder und Berge vorgeschoben. Seine nähere und weitere Umgebung ist durch eine unerschöpfliche Fülle an Naturschönheiten ausgezeichnet. Gut geleitete Hotels, Gasthöfe und Pensionen befriedigen zu mäßigen Preisen alle Ansprüche auf Unterkunft und Verpflegung. [...] Hotel Haus Leopold: Schönste Lage des Kurorts. 30 Betten mit allem Komfort. Garagen. Jagd und Fischerei. Pension ab 7,- DM. Gasthof Hofwirt zur Post: Neuzeitlich renoviert."


Nachgeschlagen im ... Bearbeiten

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Aussichtspunkt Windeck hoch über Marquartstein

.. Grieben-Reiseführer von 1936: "Marquartstein, beliebter Sommerfrische, Touristenstandort und Wintersportplatz, umgeben von Waldungen, schön gelegen am Ausgang des bergumschlossenen Achentals zwischen den Ausläufern des Hochgern östlich und der Kampenwandgruppe westlich. [...] Kur- und Badeanstalt Marienbad, Mineral- und Solbäder (Eisenquelle). [...] Burg Marquartstein, eine der besterhaltenen mittelalterliche Burgen des Landes, im 11. Jahrhundert erbaut, jetzt Landerziehungsheim für 80 Knaben und Mädchen."

... Grieben-Reiseführer von 1907: "Marquartstein, klimatischer Kurort und Standquartier für Touristen, mit alter Burg. Der Ort hat elektrische Beleuchtung, gute Wohnungen, herrliche Wald- und Bergwege. Von Burg und Kirche schöner Umblick. Ausflüge von Marquartstein: Zum Windeck, Felsenriff mit hübscher Aussicht."



Kontakt Bearbeiten

Tourist Information

Rathausplatz 1

83250 Marquartstein

Tel.: 08641-699558

info@marquartstein.de

Interessante Links Bearbeiten