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Blick auf Kirche und Gasthof am Streichen

Lage Bearbeiten

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Blick vom Streichen auf Schleching

Hoch über dem Tal der Tiroler Ache liegt die Streichenkirche. Der Besucher dieses Gotteshauses muss etwa einen Kilometer vor der Kirche sein Auto auf einen Wanderparkplatz abstellen und zu Fuß zur Wallfahrtskirche St. Servatius auf dem Streichen laufen. Den Wanderparkplatz erreicht man über das ehemalige Zollamt Schleching, links ab und weiter über die Straße gen Achberg den Berg hinauf. Von der Höhe des Parkplatzes bietet sich ein schöner Blick auf die Streichenkirche, und nach einem weiteren Kilometer zu Fuß steht der Besucher auf der Almwiese des Streichens.


Ortsbeschreibung Bearbeiten

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Blick von der Streichenkirche auf den Wilden Kaiser

Wer vom Wanderparkplatz kommend aus dem Wald auf die Almwiese hinaustritt, sieht zur Linken die Wallfahrtskirche St. Servatius auf dem Streichen liegen und unterhalb der Kirche den "Berggasthof Streichen", das ehemalige Mesnerhaus. Vom 814 Meter über NN gelegenen Wirtshaus bietet sich ein wunderschöner Ausblick auf die Chiemgauer Berge. Vor allem der 1813 Meter hohe Geigelstein und sein kleinerer Bruder, der Breitenstein (1661 m), sind von hier aus gut zu sehen. Von der Rückseite der Streichenkirche hat man einen weiteren schönen Blick, und zwar auf die Berge des Wilden Kaisers, der mit seinen hohen Berggipfeln die weitere Umgebung grüßt.


Sehenswürdigkeiten Bearbeiten

St. Servatius Bearbeiten

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Die Kirche St. Servatius auf dem Streichen

Die Wallfahrtskirche St. Servatius auf dem Streichen ist wohl das bedeutendste Kunstdenkmal im gesamten bayerischen Achental. Das heutige Langhaus stammt aus der Zeit zwischen dem 13. und 14. Jahrhundert (um 1300) und vereint romanische und gotische Stilformen. Es wird vermutet, dass es unter der Verwendung von Baumaterial der als Steinbruch genutzten ehemaligen Streichenburg errichtet wurde. 1440/50 wurden der Chor und die Sakristei angebaut und das Langhaus renoviert und ausgemalt. Anfang des 16. Jahrhunderts wurde der Chor ausgemalt (1508/13), und neue Altäre und ein neues Chorgestühl wurden angeschafft (1523/24). 1666/67 kam ein neuer frühbarocker Hochaltar in die Kirche. Der alte Hochaltar wurde an die Stelle des alten Seitenaltars gesetzt, der in die Kirche von Schwendt (in Tirol) gebracht wurde. 1685 wurde die ursprüngliche Holzdecke durch ein "Stucknetzgratgewölbe" ersetzt und alle Wandmalereien übertüncht. Im 18. und 19. Jahrhundert wurde in der Kirche kaum etwas verändert, da die ehemalige Wallfahrtskirche immer mehr in Vergessenheit geriet (u.a. auch durch das Versiegen einer heilkräftigen Quelle - dem Servatiuswasserl, das im Kirchenraum entsprang). Diesem Glück ist es zu verdanken, dass sich heute ein einmaliges Kunstdenkmal im südbayerischen Raum erhalten hat. Dem geistlichen Rat Eduard Pichler aus Schleching gelang es, die fast vergessene Kirche wieder in ihren historischen Zustand zurück zu versetzten. Die Fresken wurde erst 1913 vom Zimmerer Vinzenz Bachmann bei Reparaturarbeiten wiederentdeckt. Pichler ließ die Fresken – soweit möglich – 1942/44 (durch Hans Pfohmann und Stefan Fischer) und 1954 freilegen und die Altäre sorgfältig restaurieren. Der alte Hochaltar kam an seinen ursprünglichen Platz wieder zurück, und der Hochaltar von 1666/67 wurde nach Söllhuben am Simssee verkauft. Bei einer ersten Restaurierung 1943/44 entdeckte man verschiedene Freskenzyklen der Spätgotik. Eigentlich handelt es sich in der Streichenkirche nicht um Fresken, sondern um Seccomalereien, die auf die trockene Wand aufgetragen wurden. Seit 1997 wurde die Streichenkirche erneut jeweils in den Sommermonaten gründlich restauriert. Bei den Arbeiten wurden die Malereien vorsichtig gesäubert. Nach Abschluss der Arbeiten sollen die Malereien wieder im alten Glanz erstrahlen.

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Innenraum der Streichenkirche mit Freskenschmuck

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Blick ins Innere von St. Servatius auf dem Streichen

1. Freskenzyklus (1440): Im Langhaus wurden Fresken aufgedeckt, die die gesamten Wände füllten. An der Nordwand entdeckte man einen riesigen Christophorus mit Jesuskind auf den Schultern; diese Darstellung reicht vom Fußboden bis zur Decke. Der Heilige Christophorus wurde besonders in Süddeutschland gerne als Patron gegen den jähen Tod und der Reisenden (besonders der im Gebirge) verehrt. Im Spitzbogenfenster sind die Figur der Heilige Agnes, über dem Fenster Maria und Jesus mit Kelch und Hostie freigelegt. Rechts neben dem Fenster sind zwei Fürsten (vielleicht St. Wenzelslaus und St. Sigismund oder St. Koloman) und darunter die Himmelfahrt Maria Magdalenas zu erkennen. An der Ostwand neben dem Seitenaltar befinden sich folgende Darstellungen: St. Leonhard und St. Wolfgang (bei einer Predigt), die auch Patrone des Seitenaltars sind. Am Chorbogen sieht man den Engelischen Gruß und zwei Wappen (darunter das Wappen derer von Freyberg). Sogar im Chorbogen sind Fresken angebracht, darunter die Darstellung der klugen und törichten Jungfrauen unter Rundbogenarkaden. Am südlichen Seitenaltar sieht man oberhalb die Enthauptung des Hl. Dionysius und das Martyrium des Hl. Erasmus; auch diese beiden Heiligen sind hier die Patrone des Seitenaltars. Unten ist die schöne Darstellung der Anbetung der Heiligen Drei Könige mit Rittern im Gefolge und drei Fahnen mit Wappen. An der Südwand sieht man oben einen unbekannten Heiligen in weißer Ordenstracht und den Heiligen Ägidius mit einer Hirschkuh. Unterhalb ist der Heilige Bischof Ulrich abgebildet. In der Fensterlaibung sind weibliche Heilige und Rankenmotive (In der Grassauer Pfarrkirche findet man in den Fenstern die gleichen Rankenmotive), sowie das Schweißtuch der Veronika zu erkennen. Dieser Freskenzyklus wurde zwischen 1440 und 1450 von einem Salzburger Meister geschaffen, der dem Salzburger Conrad Laib nahe stand. Der Marquartsteiner Pfleger Ulrich von Freyberg kann wohl als Stifter der Fresken gelten.

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Freskenwand über dem rechten Seitenaltar in der Streichenkirche

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Südlicher Seitenaltar und Freskenwand auf dem Streichen

Einen weiteren Freskenzyklus (um 1510) bilden die Darstellungen an der Ostseite des Chorbogens, der gesamten Nordwand des Chores und an der Decke. Im Ostjoch sind Szenen aus dem Leben Mariens zu sehen (Tempelgang, Heimsuchung, Geburt Jesu, Tod Mariens), im Westjoch der Nordwand die Szenen der Passion (Ölberg, Kreuztragung, Kreuzigung, Beweinung). An der Chorbogenostwand ist das Jüngste Gericht mit Himmel- und Höllenfahrt bebildert. Die fünf Schlusssteine geben Auskunft über die damaligen Machtverhältnisse: Zu erkennen sind die Wappen des Warmund von Pienzenau (Pfarrer von Grassau), das Wappen von Bayern (Landesfürst), das Wappen von Wolf Radlkofer auf Mooseck (Pfleger von Marquartstein), sowie ein unbekanntes Wappen und ein Georgskreuz. Diese Fresken des zweiten Zyklus entstanden 1508-13 und zeigen Einflüsse von Marx Reichlich aus Tirol. Sie sind nicht so gut erhalten, weil sie flüchtig gemalt wurden und mit einer anderen Technik, als die im Langhaus.

An Südwand des Chors ist noch ein Fresko aus der Zeit um 1597 mit dem heiligen Servatius erhalten, das leider andere Fresken überdeckt. Die Apostelkreuze in der Kirche stammen von 1510, die größeren Weihekreuze im Chor sind von 1440. Im 15. und 16. Jahrhundert hinterließen Kirchenbesucher und Wallfahrer in der Kirche sogenannte Rötelinschriften mit schönen Initialen und Musterzeichnungen.

Die Glasfenster im Chor mit weißen Butzenscheiben sind mit Heiligenfiguren versehen. Im linken Fenster ist die Gottesmutter (Höhe 53 cm) zu sehen, im rechten Fenster der Kirchenpatron St. Servatius (Höhe 59 cm). Die Darstellung der Muttergottes mit Jesuskind ist in der Streichenkirche äußerst häufig zu finden – angeblich soll es neun Darstellungen geben. Die beiden Fenster stammen von einem Salzburger Glasmaler um 1440 (nach anderen Angaben um 1420).

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Hochaltar in der Streichenkirche

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Schematische Darstellung des Hochaltars auf dem Streichen bei geschlossenen Flügeln

Der Hochaltar ist mit 1524 datiert. Im Schrein stehen die Figuren (98 cm hoch) des Heiligen Servatius (nach anderen Informationen des Hl. Erasmus), des Dionysius und des Heiligen Wolfgangs. Die geöffneten Flügel des Hochaltars zeigen Szenen aus der Kindheit Jesu (Verkündigung, Geburt, Beschneidung, Anbetung der Weisen). Bei geschlossenen Flügeln werden folgende Bilder (63 * 37 cm) aus der Leidensgeschichte Jesu sichtbar: an den Innenflügeln: Geißelung, Dornenkrönung, Beweinung und Grablegung. An den Außenflügeln sieht man: Abendmahl, Ölberg, Gefangennahme und Verurteilung. Die Predella zeigt die Beweinung der Leichnams Christi (61 * 50 cm), sie ist auch zu schließen mit zwei Türchen mit dem Engelischen Gruß. Seitlich sind auch die Heiligen Anna Selbtritt und Katharina abgebildet. Im Gespreng stehen neben dem Auferstandene Heiland die Ritterheiligen Georg und Florian.

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Der Hochaltar in der Kirche auf dem Streichen

Die Rückseite des Altars ist ganz bemalt mit Ölbergszenen vor einer weiträumigen Landschaft. Auf der Rückseite der Flügel sind die vier lateinischen Kirchenväter (Hieronymus, Augustin, Gregorius, Ambrosius) dargestellt. An der Rückseite der Predella ist ein Schweißtuch zu sehen. Die Rückseite des Hochaltars leidet stark unter der Feuchtigkeit und weist Schäden in der Farbe auf. Der Hochaltar stammt nicht von einem, sondern von mehreren Künstlern, die im Salzburger Raum zu suchen sind. Der Hauptmeister schuf die vier Passionsbilder an den inneren Flügeln und die Predellagemälde.

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Linke Kirchenwand mit wertvollem Kastenaltärchen als linker Seitenaltar

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Das Kastenaltärchen in der Streichenkirche

Der linke Seitenaltar beherbergt wohl das wertvollste Kunstobjekt der Wallfahrtskirche St. Servatius auf dem Streichen. Es ist ein kleiner Kastenaltar aus der Zeit um 1410. Das Äußere des Altares könnte von seinem Aussehen her aus unserem Jahrhundert stammen. Das Gehäuse ist mit Zinnen gekrönt und hat im Inneren eine Standfigur des Kirchenpatrons St. Servatius, die um 1400 entstanden sein muss. Die Flügel, die auch als Türen des Kastenaltares dienen, sind auf der Innenseite mit Heiligengestalten auf einen Grund von Sternen verziert. Auf dem vorderen Flügelpaar sind der Heilige Sebastian (mit Pfeilen) und der Diakon St. Laurentius (mit Rost) dargestellt. Auf den Innenseiten des hinteren Flügelpaares sind Maria mit dem Jesuskind und die Heilige Ursula zu sehen. Im geschlossenen Zustand sieht man an den Flügeln die Abbildungen von der Heiligen Agnes und der Heiligen Elisabeth von Thüringen, sowie die der Heiligen Erasmus und Nikolaus. Dieser Altar gehört zu den bedeutendsten Werken des "Weichen Stils" in Bayern. Die gemalten Heiligenfiguren strahlen eine "beseelte Innerlichkeit" aus. Kunstexperten rechnen dem Altar einem der führenden Meister im süddeutschen Raum zu, der sich an der Kunst in Prag und Wien orientierte.

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Der Seitenaltar an der Langhaussüdwand auf dem Streichen mit der Darstellung des Jesuskindes in der Predella

Der Seitenaltar an der Langhaussüdwand stammt aus dem Jahre 1523. Im Schrein sind die Figuren der drei Altarpatrone; Maria Magdalena (76 cm), Wolfgang (76 cm) und Leonhard (68 cm). Im geöffneten Zustand werden die Bilder der vier Bischöfe Rupert, Erasmus, Martin und Wolfgang sichtbar (Höhe: 42 * 30 cm). Wenn die Flügel geschlossen sind sind die vier Märtyrer Georg, Sebastian, Florian und Christophorus erkennbar. An den Standflügeln sind die vier Jungfrauen Katharina, Ursula, Barbara und Margarethe abgebildet. Die Predella zeigt ein Jesuskind in einem Rollstall (Kinderställchen), das dem Kreuz der heiligen Kaiserin Helena zustrebt, aber von der Heiligen Anna bewacht wird. Im Gespreng stehen: Jesus als Schmerzensmann (Höhe 50 cm), Maria (Höhe 46 cm) und Johannes (Höhe 44 cm). Die Rückwand dieses Seitenaltars steht seit 1954 an der Nordwand des Langhauses. Die Rückwand stellt ein Bild von Jesus als Schmerzensmann und in der Predella ein Schweißtuch, das von Engeln gehalten wird dar. Dieser Altar unterscheidet sich vom Hochaltar durch seine wesentlich derbere Malerei, auch er stammt vermutlich aus dem Salzburgischen Raum.

Aus der Zeit um 1520 stammt das im Presbyterium stehende Chorgestühl mit sieben Klappsitzen. Der Beichtstuhl hinter dem Hochaltar ist um 1665 entstanden. Die kleine Orgel wurde vom Kloster Baumburg der Kirche auf dem Streichen verkauft und stammt von 1700 (nach anderen Angaben: von 1670). An der Westwand der Kirche hängen einige Votivtafeln von Wallfahrern des 17. und 18. Jahrhunderts. Der Kreuzweg stammt von 1754. Im Gotteshaus hängen einige einzelne Schnitzfiguren:

  • Im Chor über der Sakristeitür: Heilige Anna
  • Südwand des Langhauses: Muttergottes mit Jesuskind (1500)
  • Nordwestecke: Kruzifix aus der Mitte des 17. Jahrhunderts
  • Schnitzfiguren St. Petrus und St. Nikolaus um 1440

In der Sakristei wird neben einigen liturgischen Geräten aus der Spätgotik auch eine erwähnenswerter Reliquienmonstranz (53 cm hoch) aus Messing aufbewahrt. In drei Silberstatuetten (Höhe je 6 cm) sind Maria mit Kind, St. Laurentius und ein Heiliger Bischof abgebildet; dieses Kunstobjekt stammt wohl aus der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts. Ebenfalls in der Sakristei befinden sich noch zwei Schnitzfiguren, sie stellen zum Einen den auferstandenen Christus (1660 von Melchior Hofmayr) und zum Anderen den Heiligen Sebastian (1700) dar. Im Dachreiter befinden sich zwei Glocken aus dem 15. Jahrhundert und von 1956. Die Glocke aus dem 15. Jahrhundert soll sogar die älteste Glocke im ganzen Chiemgau sein.

Die wertvollen Kunstobjekte in der Wallfahrtskirche St. Servatius auf dem Streichen sind durch ein Gitter vor Wandalismus geschützt worden, leider kann der Besucher aus diesem Grund die Fresken und Altäre, vor allem die im Chor nur schwer sehen. Lediglich bei Gottesdiensten können Besucher die Kunstobjekte aus nächster Nähe anschauen. Trotz Gitter ist der Besuch in diesem Kleinod im Achental ein höchst lohnenswertes Erlebnis. Der Kunstinteressierte sollte sich etwas Zeit nehmen, um die anmutende Stille dieses Ortes in sich aufnehmen zu können.


Mauer Bearbeiten

Die Mauer, die auf der Seite der Sakristei den Berg befestigt und von der sich guter Blick auf den Wilden Kaiser und das Almgebiet um die Bäckeralm bietet, gehört vermutlich zu der Befestigungsanlage des Mittelalters. Die Mauer ist heute 28 Meter lang und 4 Meter hoch.

Gasthof Bearbeiten

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Gasthof und altes Mesnerhaus auf dem Streichen

Der Gasthof unterhalb der Kapelle lag das ehemalige Mesnerhaus der Kirche. Ein Haus an dieser Stelle wurde 1435 erstmals urkundlich erwähnt. 1949 und 1954 wurde das Gebäude zum Gasthaus umgebaut. Einen besonderen Flair strahlt die "gute Stube" im Berggasthaus aus, die urig eingerichtet ist und Erinnerungen an das Leben zu früheren Zeiten aufkommen lässt.

Geschichte Bearbeiten

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Gasthof am Streichen mit Geigelstein im Hintergrund

Erste Besiedlungsspuren auf dem Streichen liegen in Form von Ausgrabungsfunden vor: ein Meißel, eine Sichel, eine Kugelkopfnadel und Fibelteile aus der Urnenfelderzeit (1000-800 v. Chr.). Auch die Römer sollen die Übergänge in Richtung Süden über den Streichen benutzt haben.

Historiker gehen davon aus, dass der Streichen schon eine vorchristliche Kultstätte war. Später führte ein sogenannter Saumpfad über den Streichen, der das Gebiet um den Chiemsee mit dem Kössener Becken verband. Im Übrigen stammt das Wort Streichen auch vom Wort "strich", was wiederum von Saumpfad herrührt. Im 12. Jahrhundert (1120 - erstmals erwähnt) stand auf dem Schlossberg am Streichen die Burg der Ministerialen von Marquartstein, die von hier den Durchgang nach Kössen überwachten. Heute findet man kaum noch Überreste dieser Burg. In verschiedenen Urkunden wird zwischen 1164 und 1184 ein Hartwig und ein Chuono de Strichen erwähnt. Hartwig de Strichen wurde in der Klosterkirche von Raitenhaslach bei Burghausen begraben. Die Geschichte des Gotteshauses hier oben geht bis auf diese Zeit zurück, in der eine Burgkapelle auf dem Streichen stand. Als die Burg verfiel, wurden die Steine der ehemaligen Burg zum Bau der Wallfahrtskirche verwendet.


Zitat von ... Bearbeiten

Über den Streichen schreibt der Autor des Buches "Mit dem Auto wandern Oberbayern" Friedrich Springorum folgendes:

"Dann plötzlich steht uns die Streichenkapelle gegenüber, auf grünem, baumbestandenem Wiesenplan einer weit ins Achental vorstoßenden und allseitig abfallenden Bergnase gelegen. Kulissenartig zurückweichende Waldhügel geben den Blick auf die Kalkwände des Wilden Kaisers frei, in deren obersten Felsspalten noch Schnee liegt. [...] Wir müssen noch ein kleines Quertal ausgehen und dann sind wir da, links geht's zur Kapelle hinauf, rechts zu dem einfachen Berggasthaus Streichen, mit Bänken und Tischen im Freien, an denen wir im Sonnenglanz sitzen, uns stärken und über die Schönheit ringsum nachsinnen können. [...] Das Innere der Kirche wieder verlassen, draußen die Sonne in sich aufnehmen, auf weichem Gras umhergehen, die Berge anschauen, die Geräusche des Tales hören und den leisen Wind spüren, ruhen und sinnen und dann wieder hineingehen und auf den reinen gotischen Klang horchen, das ist vollkommenes Glück. Dafür müssen wir allein sein; es sind wohl Menschen hier oben, an Sonntagen viele, auch bäuerliche Wallfahrer, doch diese stören nicht, wie wir sie nicht stören."


... dem Chiemgau-Forscher Peter von Bomhard:

"Wer von Schleching aus im Tal der Tiroler Ache nach Süden zur Landesgrenze wandert, erblickt links oben am Streichenberg eine kleine, altersgraue Kirche. Über steilen Almwiesen und dunklen Bergwäldern steht dieses Gotteshaus in schweigender, weltentrückter Einsamkeit, umgeben von großartiger Hochgebirgswelt, im Angesicht der Kampenwand im Norden, der Pyramide des Geigelstein im Westen und der fernen, zerklüfteten Felszacken des Wilden Kaisers im Süden."


Interessante Links Bearbeiten