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Blick auf die Kirche von Westerbuchberg aus Norden

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Der Weiler Westerbuchberg vor der Kulisse der Chiemgauer Alpen


Lage Bearbeiten

Der Weiler Westerbuchberg liegt südlich von Übersee. Mit dem Auto erreicht man den Ort auf dem Buchberg über die Straße zwischen Übersee und Grassau. Im Weiler Gröben biegt man Richtung Westen auf eine unscheinbare Straße ab, die mäßig steil den Berg hinauf führt und zum Teil ziemlich eng ist. Am Hotel "Zur schönen Aussicht" vorbei, gelangt man nach etwa zwei Kilometern nach Westerbuchberg. Am Ende des lang gezogenen Weilers steht die Kirche St. Peter und Paul.


Ortsbeschreibung Bearbeiten

Auf dem 604 Meter hohen Buchberg befindet sich eine der ältesten Kirchen im südlichen Chiemgau. Ihre Langhausmauern stammen aus dem 13. Jahrhundert. In dem zur Gemeinde Übersee gehörenden Weiler Westerbuchberg leben etwa 180 Menschen.




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Außenansicht der Kirche St. Peter und Paul

Sehenswürdigkeiten Bearbeiten

St. Peter und Paul Bearbeiten

Der Kern der Kirche St. Peter und Paul

auf dem Westerbuchberg ist romanisch (um 1200), aus dieser Zeit stammt auch die im Mittelschiff (rechts oben) freigelegte Fensteröffnung. Die romanischen Mauern des Hauptschiffes sollen bis zu 74 Zentimeter dick sein. Nach 1410 wurde die Kirche gotisch umgebaut (Gewölbe) und erhielt um 1426 einen dreiseitigen Chor, sowie 1524 (nach anderen Quellen 1514) ein südliches Seitenschiff und eine Sakristei. Im Westen befindet sich der geschindelte Dachreiter (Zedernschindeln) mit Spitzhelm und einem vergoldeten Wetterhahn, der weithin sichtbar ist. Der Eingang von Westen her ist mit dem 30 Millionen Jahre alten Buchbergsandstein gestaltet.
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Blick in den Chorraum der Kirche von Westerbuchberg mit dem Holzkruzifix

Um die Zeit zwischen 1410 und 1425 entstanden die ersten Fresken, die erst 1958/59 und 1978 freigelegt wurden. Die ältesten Fresken an der Südwand des Langhauses sind um 1410 geschaffen worden und zeigen die Anbetung der Heiligen Drei Könige (mit Maria und einem sehr jugendlichen Jesuskind) sowie ein Muster aus Sternen und Rosetten in den Fensterlaibungen. Eine interessante Darstellung ist auch die vom Jüngsten Gericht (1580) - im Himmel sind Christus und die Apostel zu sehen; in der Hölle werden Teufeln und Drachen dargestellt. An der Chornordwand ist ebenfalls eine Darstellung der Heiligen Drei Könige, die um 1580 entstanden ist.Die wahrscheinlich interessanteste Wandmalerei ist der gemalte Nothelferaltar an der Stirnwand des Seitenschiffes.
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Anbetung der Heiligen Drei Könige an der Südwand

Der Altar mit den 14 Nothelfern (Flügelaltar mit Sprengwerk) wurde um 1425/30 geschaffen - die Darstellung der Nothelfern ist in 8 Feldern zu sehen (je zwei Nothelfer befinden sich miteinander im Gespräch), neben der Muttergottes und dem heiligen Jakobus ist auch der Stifter zu sehen. Es gilt unter Kunsthistorikern als Besonderheit, dass in der Gotik ein Fresko als Altarbild diente. Es wird vermutet, dass der Gemeinde das Geld nach dem Anbau des Seitenschiffes ausgegangen war und sie sich nur einen gemalten Altar leisten konnte.
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Darstellung des Jüngsten Gerichts an der Nordwand

Im Dachgeschoss des Langhauses befinden sich weitere drei - leider nicht zugängliche - Fresken aus der Zeit um 1410 mit der Darstellung der Anna Selbdritt  (Südwestseite), des heiligen Christophorus (Nordwestseite) mit einem Baumstamm und von zwei Engeln umgeben. Von der Darstellung des heiligen Christophorus sieht man im Langhaus (Nordseite) noch den unteren Teil. Auf dem Dachboden wurde neben den Fresken 1902 auch ein SATOR - Viereck entdeckt, das vermutlich aus der Zeit der Gotik stammt (s.u.).Das Altarkruzifixus im Chor ist von 1520 und von einem unbekannten gotischen Meister geschaffen worden. Weitere Skulpturen im Langhaus sind: Maria auf der Mondsichel aus dem 16. Jahrhundert, sowie die Heilige Barbara. Bemerkenswert im Seitenschiff ist die Skulptur der Apostel Petrus und Paulus (Patrone der Kirche auf dem Westerbuchberg) und eine Muttergottes aus der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts. Von 1730 sind die Empore und die Wangen des Laiengestühls. Sehenswert sind auch zwei kleine

Barockkerzenleuchter am Hochaltar. Seit 1995 hat die Kirche eine neue Orgel, die zum Großteil durch Spenden finanziert wurde. Am Südportal der Kirche befindet sich das Bild "Einer unter Euch wird mich verraten", das 1958 von Franz S. Gebhardt-Westerbuchberg (* 1895 † 1969) geschaffen wurde. Der Maler hat auf dem Buchberg 1934 seine neue Heimat gefunden und liegt auf dem kleinen Friedhof (gegenüber des Eingangs an der Westseite) auch gegraben. Die Platten im Kircheninnern sind aus Adneter Marmor (aus dem Salzburger Land) und wurden erst 1978 von freiwilligen Helfern neu verlegt. Der heimische Adneter Marmor war früher überall in den Kirchen der Region zu finden. Die Kirche St. Peter und Paul auf dem Westerbuchberg wurde innen 1958/59 (unter Pfarrer Wöhrl durch die Bauer und Zunhammer) und 1978 restauriert und von außen nach 1969. 1976 traten zwei Risse an der westlichen Giebelmauer auf, die wahrscheinlich Auswirkungen des schweren Erdbebens in Oberitalien vom Mai 1976 waren. Leider verschwanden viele Gegenstände aus der Kirche. Früher, so wird berichtet, hingen in der Kirche zahlreiche Votivtafeln, die gestohlen oder andersweitig verschwunden sind.

Bergfriedhof Bearbeiten

Neben Franz S. Gebhardt-Westerbuchberg hat auch die Filmschauspielerin Lucie Englisch auf dem kleinen Friedhof ihre letzte Ruhe gefunden.


Gasthof Alpenhof Bearbeiten

Das Gebäude des heutigen Gasthofes Alpenhof ist schon sehr alt. Über dem Portal ist die Jahreszahl 1583 in Stein gemeißelt. Der Gasthof existiert jedoch erst seit 1926.

Kapelle Maria Trost Bearbeiten

Im westlich auf dem Westerbuchberg gelegenen Weiler Wessen steht seit 1948 die Kapelle "Maria Trost". Wessen gehört zur Justizvollzugsanstalt Bernau. Früher war es Eigentum des Prinzen Heinrich von Bayern und dann der Landesanstalt für Moorwirtschaft (1925). Im Jahre 1941 kam der Weiler an die Strafanstalt Bernau, die hier einen landwirtschaftlichen Betrieb hat. Die Kapelle wurde auf Anregung des Anstaltsgeistlichen Dekan Gmeiner und des Gutsverwalters Siegert von den Gefangenen und mit Unterstützung heimischer Handwerker gebaut und im Sommer 1948 von Weihbischof Dr. Neuhäusler geweiht. Im Innern findet man einen Altartisch aus Marmor und ein hölzernes Kruzifix.


Exkurs: Die vierzehn Nothelfer Bearbeiten

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Der gemalte 14-Nothelfer-Altar in Westerbuchberg

Die 14 Nothelfer wurden seit dem 14. Jahrhundert von der katholischen Bevölkerung in ländlichen Regionen besonders in Notsituationen verehrt. Der gemalte 14-Nothelfer-Altar im Seitenschiff der Kirche St. Peter und Paul ist ein sehr seltenes Kunstwerk.

Folgende Heilige gehören zu den 14 Nothelfern:


  • Achatius gg. schwere Krankheiten, Todesangst und zur Stärkung in Zweifeln
  • Ägidius gg. verschiedene Krankheiten (Aussatz, Krebs), Dürre, Sturm, Feuergefahr, Furcht und seelische Not
  • Barbara gg. Blitz, Feuer, Fieber, Pest und plötzlichen Tod
  • Blasius gg. Halsentzündungen, Blähungen, Zahnweh und Sturm
  • Christophorus gg. Dämone, Hochwasser, Unwetter, Hungersnöte, Wunden, Zahnweh, Pest und plötzlichen Tod ohne Buße
  • Cyriacus gg. böse Geister und Zwangsarbeit
  • Dionysius gg. Kopfweh und Tollwut
  • Erasmus gg. Geburtsschmerzen, Krämpfe und Bauchweh
  • Eustachius bei traurigen Familienschicksalen und in verzweifelten Situationen
  • Georg gg. Unglücke, Kriegsgefahr, Beschimpfungen und den Teufel
  • Katharina gg. Migröne und Zungenkrankheiten
  • Margareta gg. Gesichtskrankheiten, Wunden und für Fruchtbarkeit
  • Pantaleon gg. Auszehrungen und Heuschrecken
  • Vitus gg. Besessenheit, Blind-, Stumm- und Taubheit, Tollwut, Augenkrankheiten, Aufregung, Blitz und Unwetter

Exkurs: Die SATOR-Formel Bearbeiten

Sator

Arepo

Tenet

Opera

Rotas

Viele Forscher haben sich über dieses Vierecks Gedanken gemacht. Es gibt mehrere Theorien:


a) Die Übersetzung: Übersetzt heißt die SATOR - Formel: Der Sämann [Arepo] hält die Werke in seiner Hand [Rotas]. Mit Sämann könnte Gott gemeint sein, dann wären "die Werke" die Schöpfung. Arepo ist wahrscheinlich ein Name und das lateinische Wort rotas [von rota] bedeutet eigentlich das Rad.
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Eine Lösung der SATOR-Formel

b) Die neue Zusammensetzung: Wenn man die beiden Wörter "tenet" im Quadrat liest ergeben sie ein Kreuz - das Symbol des Christentums. Wenn man nun sämtliche Buchstaben in dem Viereck neu zusammenstellen würde und nach einem christlichen Zusammenhang sucht, dann ergibt sich, ebenfalls ein Kreuz: Die Worte Pater Nostra (lateinisch: Vater unser) treffen sich zweimal genau in der Mitte beim Wortanfang von "Nostra" (N) und bilden so ein Kreuz, die übriggebliebenen zwei "A"s und zwei "O"s können für die griechischen Buchstaben Alpha und Omega  stehen. Sie werden an den Anfang und Ende des Pater nostras gestellt und bedeuten als erster und letzter Buchstabe des griechischen Alphabetes soviel wie Anfang und Ende. Die Übersetzung dieser Theorie lautet also: Vater unser Anfang und Ende - Vater unser Anfang und Ende.

Solche Palindrome (aus verschiedenen Richtung lesbare Formeln) sind schon sehr alt. Die wahrscheinlich älteste Sator-Formel fand man in Pompeji - sie soll aus dem Jahre 79 nach Christi stammen. Im Aberglauben gilt eine solche Formel als schadenabwehrendes (apotropäisches) Mittel und spielte bis in die Neuzeit hinein, besonders im ländlichen Raum, eine beachtliche Rolle.


Natur Bearbeiten

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Blick von der Terrasse des Alpenhofes auf das Achental und die Kendlmühlfilze

In der Eiszeit vor 15 000 Jahren waren der Westerbuchberg und der östlich der Tiroler Achen gelegene Osterbuchberg Inseln im Chiemsee, der sich zu dieser Zeit bis weit in Tal, etwa an die Stelle wo heute Marquartstein liegt, erstreckte. Der Wester- und Osterbuchberg sind sogenannte Härtlinge oder auch Sandsteinkerne, in der Molasse-Zone (weiche Urablagerungen) des Alpenvorlandes, die im Zuge der Alpenfaltung entstanden. Von den eiszeitlichen Überresten (Wester- und Osterbuchberg) hat man einen herrlichen Blick über die Kendlmühlfilze in Richtung Markt Grassau und Rottau, sowie durch das gesamte Achental. Die Aussicht wird vom Wilden Kaiser und von der Kampenwand begrenzt - ein besonders beliebter Aussichtspunkt ist der Gasthof "Alpenhof" in Westerbuchberg.


Geschichte Bearbeiten

An Stelle des Gasthofes "Zur schönen Aussicht" stand nach Erkenntnissen der Historiker Max und Adelheid Brunner einst im 12. und 13.Jahrhundert die Burg der Ministerialen  von Marquartstein. Ihr Name war "de Westerberc". Erstmals wurde 1130 ein "Arnold de Westerberc" erwähnt, im Jahre 1270 endet die urkundliche Aufzeichnung mit einem "Ditmar de Westerberc". Aus ihrer Zeit stammt auch die erste Kirche auf dem Buchberg. Der Name Westerbuchberg kommt durch die Neupflanzung von Buchen zustande. In alter Zeit hieß der Berg "Brandbritten". Dieser Name lässt auf einen

Wachturm schließen, der auf dem Berg gestanden haben soll. Später kam auch der Name "Westerberg" auf (der Osterbuchberg wurde auch Osterberg genannt). Auch der Name "Weinberg" wurde verwendet. Er lässt darauf schließen, dass auf der Südseite des Westerbuchbergs bis ins 18. Jahrhundert Wein angebaut wurde. 1566 wurde der Berg als "W.Puchberg" auf der Chiemseekarte von Apian verzeichnet. Angeblich soll der Weinbau auf dem Westerbuchberg sehr erträglich gewesen sein. Heute gibt es auf dem Berg neben Viehhaltung vor allem Obstanbau.




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Blick in die Ausstellung mit Werken von Franz Gebhardt-Westerbuchberg

Kultur und Freizeit Bearbeiten

Im alten Glaserhof sind die Gemälde und Grafiken des Malers und Landwirts Franz S. Gebhardt-Westerbuchberg (1895-1969), der hier ab 1934 lebte und arbeitete, ausgestellt.  Das Atelier ist montags bis freitags von 14 - 16 Uhr oder nach Vereinbarung zu besichtigen. Auskunft unter 08642-898516 oder 08642-89850.


Menschen Bearbeiten

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Grab des Künstlers Gebhardt-Westerbuchberg auf dem Bergfriedhof

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Grab der Schauspielerin Lucie Englisch

Neben einigen Künstlern (wie Gebhardt-Westerbuchberg) und Schauspielern (wie Lucie Englisch) hat sich auch der Schriftsteller Friedrich L. John und der sächsische Ministerpräsident Kurt Biedenkopf (* 1930 in Ludwigshafen) auf dem Westerbuchberg niedergelassen. Der Schriftsteller John wurde durch seinen Roman "Der Saisongockel" bekannt. Ebenfalls wohnten auf dem Westerbuchberg der Bergsteiger Luis Trenker und der alpine Schriftsteller Walter Flaig. Auch der Schriftsteller Walter Schmidtkunz lebte auf dem Westerbuchberg.

Zitat von ... Bearbeiten

....dem bekannten Chiemgauer Kunsthistoriker Peter von Bomhard aus der Beilage zum  Schnell & Steiner Führer Chiemgau:

"Westerbuchberg. Landschaftlich ungemein reizvoll auf aussichtsreichem Höhenrücken im weiten, ebenen Moorgebiet zwischen dem Südufer des Chiemsees und dem Gebirge. Freistehend, altertümliche Kirche, Langhaus romanisch, Chor Mitte 15. Jh., Nebenschiff Anfang 16. Jh. Zahlreiche Wandmalereien aus dem 14., 15. und beginnenden 16. Jahrhundert."


Nachgeschlagen im ... Bearbeiten

... im Grieben Reiseführer von 1936: Bearbeiten

"½ Stunde südwestlich [von Übersee aus] auf bewaldeter, inmitten der flachen Filze aufragender Höhe liegt Westerbuchberg, 603 m (Sommerwirtschaft Westerbuchberg, 6 Betten zu 0,80 Mark, Pension 3 Mark; Gasthof zur schönen Aussicht, 4 Betten - Privatwohnungen) mit schöner Aussicht ins Achental (Kaisergebirge)."


... im Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler - Oberbayern von 1952: Bearbeiten

"Westerbuchberg Kirche St. Peter und Paul. Romanisch mit späteren Veränderungen. Wenig eingezogener Altarraum zu einem Joch und 5/8 Schluss, im Langhaus 3 Joche. Im Altarraum Netzgewölbe. Im Langhaus sind die Gewölberippen abgeschlagen. Im Westen Dachreiter mit Spitzhelm. - Über dem jetzigen Gewölbe bemerkenswerte spätgotische ornamentale Wandmalerei."


Interessante Links Bearbeiten